„Es ist wichtig, dass man sich um die Bürger kümmert“

Karl-Heinz Körner, Kommanditist des Bürgerwindparks Medelby der ersten Stunde, über Wertschöpfung durch Windkraft und warum regionale Solidarität das A und O ist.

Redaktion: Herr Körner, seit wann sind Sie nun schon Kommanditist des Bürgerwindparks Medelby?

Karl-Heinz Körner: Das weiß ich noch genau – seit dem 22. April 2009, da war nämlich die erste Gründungsversammlung. Damals waren wir etwa 300-350 Kommanditisten, aktuell sind es 412. Ich war von Anfang an begeistert von der Idee.

Redaktion: Was war Ihre persönliche Motivation dafür, sich am Bürgerwindpark zu beteiligen?

Karl-Heinz Körner: Das Projekt ist von Bürgern für Bürger. Außerdem bin ich schon immer ein Anhänger Erneuerbarer Energien gewesen. Meine Meinung ist, dass jeder Einzelne etwas tun sollte, um den nachkommenden Generationen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen. Energie ist da ein ganz entscheidender Bereich. Der Bürgerwindpark ist eine tolle Möglichkeit, aktiv an der Energiewende teilzunehmen. Wir benötigen aber entsprechende Rahmenbedingungen seitens der Politik, damit die Energiewende weiter fortgeführt werden kann.  Ohne einen gewissen Druck aus der Wählermasse tut sich nichts bzw. zu wenig. Nehmen Sie nur mal die Regionalpläne, die festlegen, wo im Land Windkraftanlagen gebaut werden dürfen. Die alten sind nicht mehr gültig, die neuen noch nicht in Kraft getreten. Da herrscht im Moment Stillstand.

Redaktion: Was ist für Sie das Tolle an der Windkraft?

Karl-Heinz Körner: Die Windkraft bietet in Deutschland, gerade in Norddeutschland, einfach großartige Möglichkeiten - viel mehr als Sonne oder Wasserkraft. Für uns in der Region ist sie sicherlich die beste Alternative. Aber: Jede Art der Energieerzeugung hat auch Nachteile. Dessen muss man sich bewusst sein und verantwortungsvoll damit umgehen.

Redaktion: Welche Nachteile sind das im Fall der Windkraft?

Karl-Heinz Körner: Natürlich findet es nicht jeder schön, 800 m von seinem Haus entfernt eine Windkraftanlage stehen zu haben. Man muss bedenken, unsere Anlagen haben teilweise eine Nabenhöhe von 120 Meter. Das ist schon gewaltig. Deswegen ist es so wichtig, dass man sich um die Bürger kümmert und die Belastung nicht kleinredet. Man muss das ernst nehmen.

Redaktion: Wie tun Sie das?

Karl-Heinz Körner: Unsere Geschäftsführung zeigt Transparenz und versucht, für alles und jeden ein offenes Ohr zu haben. Unser Werkzeug ist hier vor allem das persönliche Gespräch. Wir erklären den Bürgern, dass und wie sie sich beteiligen können, aber auch, welche Vorteile der Windpark für die ganze Region hat und dass sie am Ende selbst Nutznießer davon sind.

Redaktion: Welche Vorteile sind das konkret?

Karl-Heinz Körner: Der Windpark ist inzwischen ganz bedeutend für die regionale Wertschöpfung geworden. Wirtschaftlich profitieren eine ganze Menge Unternehmen und Betriebe, z. B. Beraterfirmen, Anlagenbauer, Baufirmen… dazu kommt natürlich die Gewerbesteuer, die in die Kommunen zurückfließt. Das generiert in den allermeisten Fällen dann die Akzeptanz, die der Bürgerwindpark braucht. Ohne Rückhalt wäre das, was wir machen, nicht möglich. Insofern sind wir auch den Landeigentümern, die sich für uns statt für einen auswärtigen Investor entscheiden, sehr dankbar. Es wird auch in den kommenden Jahren darum gehen, diese Solidarität zu pflegen und zu bewahren.

Redaktion: Wenn Sie auf 10 Jahre Bürgerwindpark Medelby zurückblicken – was ist Ihr Fazit?

Karl-Heinz Körner: Wie beeindruckt ich davon bin, dass wir dieses Millionenprojekt hier in einer strukturarmen Gegend gestemmt haben. Die an diesem Projekt beteiligten Personen hatten anfangs eine Riesenaufgabe vor sich. Aber mit Geschick, Durchhaltewillen, Mut und sicher auch etwas Glück haben wir es dann geschafft. Heute versorgt der Bürgerwindpark 80.000 Haushalte mit Strom! Auf all das können wir stolz sein.

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